Dienstag, 18. Dezember 2012

"Die Straße war nie g'rade..."


Ich versteh's nicht! Da gibt es Menschen, die haben - so kommt es mir zumindest vor - mit 27 Jahren mit ihrem Leben abgeschlossen. Und wehe, es verläuft alles nicht nach geraden Bahnen, die man sich vor sieben Jahren ausgedacht und vorgezeichnet hat...

Gestern unser letzter Supervisionstermin vorm Examen. Thema: Wie sieht Ihre Traumschule aus? Welche Pläne haben Sie nach dem Examen? 

Nun kann ich durchaus nachvollziehen, wenn man durch Familie und Partner meint, an einen Ort fest gebunden zu sein. Aber was ich noch nie leiden konnte, ist dieses Jammern, was mit dieser Entscheidung manchmal einhergeht. Und so sitzen da Referendarinnen, die mit so viel Wut, Zorn und Frust sprechen, dass ich Gänsehaut bekomme. 50 km für ne Stelle fahren, ist dann schon zu viel und der böse böse Staat ist sowieso an allem Schuld, weil es jetzt weniger Kinder und demzufolge SuS gibt, durch den Doppeljahrgang gleich zwei Kursstufen Abi machen sowie doppelt soviele Refs im Frühjahr fertig werden. Sind halt keine sooo rosigen Aussichten auf eine feste Stelle. Und wenn man dann nicht bereit ist, darüber nachzudenken, ob man vielleicht irgendwohin zieht, wo die Chancen besser sind, ist das wirklich frustrierend. Da hat man sich grad nen Hund angeschafft sowie das passende Auto dazu - und wer soll's bezahlen? Für vier Monate bis zum nächsten Schuljahr Hartz IV beantragen - auf gar keinen Fall! Da kann man sich ja gleich bei RTLII bewerben. Lieber will man bei Kaisers Regale auffüllen. Na hoffentlich haben die genug Regale für alle 300 Refs! 

Auf meinen Einwand, dass es ja durchaus Bundesländer gibt, die ihr Lehrereinstellungsverhalten gerade überdenken, wird einem entgegengeschleudert "Ich will aber nicht nach Sachsen-Anhalt! Und ich will auch nicht nacht Thüringen!" Das ganze mit so viel Abscheu und Verachtung in der Stimme, dass mir wirklich ganz anders wird. 

Wie gesagt, diese Mobilität ist sicherlich eine Typfrage. Aber man kann sich auch einreden, dass man nicht der Typ dafür ist. Und nu? Nu hat man fünf Jahre studiert, ein Jahr Vorbereitungsdienst absolviert und man regt sich auf, dass der Staat einem im Weg steht, das zu tun, was man gelernt hat. Auch hier mein Einwand, dass es kaum Menschen gibt, die in ihrem ersten Ausbildungsjob arbeiten. "Es interessiert mich nicht, was andere Menschen machen!" Ich sag nur: katholische Religionslehrerinnen.... 

Aber wer Schülerinnen auf ihre Bemerkung, dass Philosophie ganz schön anstrengend sei, weil "die" alles in Frage stellen, entgegnet: "Einfach mal glauben, das ist viel einfacher!" der muss das auch mit den Werten und Normen, die ihr Fach angeblich vermitteln soll, nicht so ernst nehmen. 

Hatte ich hier schon von dem großartigen Dialog berichtet, den wir vor drei Wochen führten? Da meinte die eine Reli-Lehrerin zu mir "Weißte, was mein großer Vorteil dir gegenüber ist?" "Nein, was denn?" "Ich darf als Reli-Lehrerin ja auch Praktische Philosophie unterrichten - du aber NIE Religion!" "Aha" Was soll man darauf auch antworten? Herzlichen Glückwunsch?!

Zusammenfassend: großes Unverständnis meinerseits! Und ich find's wirklich schade, dass sich das so entwickelt hat. Wir sind ja eigentlich schon ne harmonische Gruppe bisher gewesen und nun sorgen diese Zukunftsängste für Ellbogenausfahren, Zickigkeit und Neid. Dabei hat doch keiner auf die Jobaussichten des anderen Einfluss. Ich würd's ja vielleicht verstehen, wenn wir alle dieselben Fächer haben und uns gemeinsam auf eine einzige Stelle bewerben müssten. Aber so kann doch keiner was für, dass einige ihre Chancen schlechter sehen, als andere. Und Jammern hat halt auch noch nie jemanden weiter gebracht. Dann muss man halt schauen, wo die Prioritäten liegen und dementsprechend handeln. Hat aber jeder selbst in der Hand.

Nun ja, ich fahr morgen jedenfalls nach Köln zum Auswahlverfahren des Deutschen Auslandsschuldienstes und schau mal, wie das dort läuft. Mein Wecker klingelt 4:30 - ich freu mich drauf! ;-)

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Vorweihnachtsstress


So, bevor ich mich über den Vorweihnachtsstress auslasse, hier mal ein Video, welches wir im heutigen Fachseminar Geschichte gesehen haben. Eine Reisegruppe aus Israel inkl. eines Holocaust-Überlebenden besucht Auschwitz und dreht dabei ein Musik-/Tanzvideo. Unser FS-Leiter erzählte, dass das für großes Aufsehen sorgte und vorübergehend sogar aus dem Netz geworfen wurde. Nun die Frage, a) darf man so was überhaupt machen und b) kann man das Schülern zeigen? Ich find's klasse und es hat bei mir für einige Gänsehaut gesorgt, auch wenn die Musikqualität schwach ist. Mal sehen, ob ich das in meinem Unterrichtsplan noch mit einbauen kann.

Und nu zum Stress: mir fiel heute auf, dass ich ab Sonntag jeden Tag bis einschließlich Donnerstag auf den Weihnachtsmärkten des Landes unterwegs bin. Nun stellen sich mir auch hier zwei Fragen: a) woher nehm ich das Geld dafür und b) kann ich danach jemals wieder Glühwein trinken? ;-)

Samstag, 8. Dezember 2012

Die Zeit rast


Morgen isses schon wieder soweit: Seeed-Konzert in Berlin. Eigentlich wollte ich dabei sein und nu bleibt mir doch nur, das neue Video zu schauen. Kein Geld, keine Zeit...

Seit meinem letzten Post ist schon wieder so viel Zeit vergangen und ich weiß kaum, wo sie hin ist. Dabei kann ich mich zur Zeit noch nicht mal über wahnsinnig viel Stress beklagen, im Gegenteil, ich hatte im Ref kaum eine Zeit, in der ich so wenig in Unterrichtsvorbereitungen investiert habe. Und trotzdem läuft's irgendwie... Beruhigend zu wissen ;-)

Aber nichtsdestotrotz steht bis Weihnachten noch einiges auf der Liste. Nachdem jetzt der Laptop nach einem Sturz im Klassenzimmer in Reparatur war (tschööö Weihnachtsgeld, es war schön dich flüchtig gesehen zu haben), Franzi zu Besuch war und wir ein verschneites Monschau sowie heißen Mochito kennenlernen durften und heute auch der obligatorische Tag der offenen Tür war, stehen noch die Exkursion mit meiner 9. nach Köln an, diverse Weihnachtsmarktbesuche, Treffen mit Ex-Kollegen und eine Klausurkorrektur, die ich jetzt schon fast zwei Wochen vor mir her schiebe. Keine Ahnung, wo mein Elan hin ist. 

Und bis zum Examen sind's grad mal noch zwei Monate und 7 Tage, neun Wochen, wovon drei Wochen Ferien sind. Die Stunden, die ich mit meinen Examenskursen bis dahin noch habe, kann ich an zwei Händen abzählen. Das ist irgendwie beängstigend. Und weil man Angst ja am besten mit Tatendrang konfrontiert, habe ich gestern meine Textgrundlagen für die Examensstunden ausgesucht (statt mich der Klausur zu widmen). Also steht jetzt fest, dass es in Geschichte um die Herrschaftsgrundlage im Absolutismus geht und in Philosophie um die Logik der Forschung. Ich und Logik? Ich erinnere mich, zweimal durchgefallen zu sein und jetzt behandel ich es im Unterricht. Nun ja, es ist ja zum Glück nicht ganz dasselbe, wie in der Uni. Trotzdem schwer, finde ich. Aber unter anderem deswegen habe ich mich nun doch für die 12. im Examen entschieden. Wenn ich Glück habe, sitzt in der Prüfungskommission, außer meinem Fachseminarleiter, kein Lehrer, der Philosophie unterrichtet und wird aller Wahrscheinlichkeit nach kein Wort von dem verstehen, was in der Stunde behandelt wird. Ist ja nicht das Schlechteste, um Eindruck zu schinden ;-) Und wenn Franz bei der Vorbereitung nervt, wird er einfach ausgeschlossen. So einfach denke ich mir das grad. Nun steht Weihnachten das Einlesen in die Themen an, damit ich fachlich topfit bin. Aus diesem Grund habe ich heute morgen tatsächlich einige Sekundärliteratur in der Uni-Bibliothek bestellt. Ich wiederhole mich, aber es ist echt beängstigend, dass man sich jetzt mit dem Examen auseinandersetzen muss!

Dass das Ende vor der Tür steht, macht sich grad sowieso überall bemerkbar. In den Seminaren wird ständig davon gesprochen, was man im Examen machen kann und welche Themen im Colloquium erfragt werden könnten. Die Gutachten der Fachlehrer müssen bis Weihnachten vorliegen, weil der Direktor im Januar die Gesamtgutachten schreiben muss. Dafür muss jeder Ref eine Liste abgeben, auf der steht, was er/sie im Ref schönes/tolles gemacht hat. Eine Mitreferendarin fährt an der Schule ihre Krallen aus, weil sie unbedingt eine Festanstellung an unserer Schule möchte und nun scheinbar Angst vor Konkurrenz hat, auch wenn ihr keiner diese Stelle streitig machen will. Vor allem, weil doch niemand Einfluss darauf hat. Desweiteren erwarte ich quasi stündlich den Bescheid, ob ich bis zu den Sommerferien als Vertretungslehrerin da bleiben darf. Als ich das letzte Mal was davon mitbekommen habe, standen die Chancen nicht schlecht. Nun muss die Ahnung nur noch zur Gewissheit werden. Da die Stundenpläne fürs 2. Halbjahr in den Ferien erstellt werden, sollte in den nächsten Tagen auch etwas passieren. Egal, in welche Richtung. 

Und Franz ist zur Zeit so nett, dass ich vermute, dass die ersten drei Monate der Beziehung, in der jeder anständige Mensch noch keinen Sex hat, jetzt vorbei sind ;-) Unheimlich!

Nun ja, bei allen Dingen, die auf der to-do-Liste stehen, wartet am Ende ein Licht: heute in zwei Wochen bin ich den ersten ganzen Tag in der Heimat, hoffe auf einen angezündeten Kamin und einen guten Rotwein *winkmitdemzaunpfahl*


Donnerstag, 22. November 2012

Wie man's macht...

...macht man's falsch?

Seit zwei, drei Wochen denke ich ab und zu daran, ob die Entscheidung die Philo-12er ins Examen mitzunehmen, die richtige Entscheidung ist. Nicht wegen der Schüler. Die freuen sich größtenteils darauf. Zumindest die, die ich bereits im letzten Jahr unterrichtet habe. Seit ein paar Wochen sind ein paar Schüler aus dem Parallelkurs hinzugekommen, die ich noch nicht so recht einschätzen kann. Sie bereichern den Kurs zumindest nicht mit Intelligenz und rascher Auffassungsgabe. Aber damit könnte ich auch leben.

Mein Problem ist eher - mal wieder - Franz. Und heute erreichte das dann seinen Höhepunkt. Nicht im Sinne eines Streits mit ihm, sondern eher indirekt. Ich hatte nämlich wieder seinen 10er-Kurs im Unterricht. Ich komme also im Raum an und teile den Schülern mit, dass Franz später kommt. Daraufhin meldeten sich gleich drei Mädels, die mich fragten, ob sie mal mit mir über Franz sprechen könnten. Ich ahnte bereits, worauf das hinauslaufen sollte, habe es aber zugelassen. Und so durfte ich mir anhören, dass sie sich von ihm ungerecht behandelt fühlen, er sie ständig kollektiv bestraft, sie zwar wissen warum, es aber nicht fair finden. Nun ist ja klar, dass Schüler sich eigentlich immer irgendwie ungerecht bestraft fühlen, aber in dem Falle konnte ich das ganz gut nachvollziehen. Vorneweg: es handelt sich um einen zwar lieben, aber auch sehr unruhigen Kurs. Das führte nun schon ein paar Mal dazu, dass ich sie unterrichtet habe und Franz irgendwann aus der letzten Reihe lautstark zu schimpfen begann, Strafarbeiten androhte oder verteilte. Regelmäßig verspricht er mir, sich in der folgenden Stunde zurückzuhalten, es dann aber nicht aushält. Wir haben da eine sehr unterschiedliche Toleranzgrenze, was das angeht. Vor allem, weil ich ihm regelmäßig erkläre, dass meine Taktik eher darin besteht, die Unruhe auszusitzen und sie nach und nach mit spannenden Themen ruhiger zu bekommen. Ob das funktioniert - keine Ahnung. Ich weiß aber, dass ich in meinem Kurs noch nie böse geworden bin und bis auf ein paar Hanseln alle ruhig sind, arbeiten und wir ein wirklich gutes Kursklima haben. Diese Intervention dauerte dann 15 Minuten, ich fragte sie, ob sie ihm das nicht mal selbst erzählen wollen und begann dann mit dem Unterricht. Und bis auf die letzten fünf Minuten war's ein wirklich gutes Arbeiten. Franz kam irgendwann auch dazu und erzählte mir danach, dass ihm die Arbeitsathmosphäre heute gut gefallen hat. Nun musste ich ihm aber trotzdem von diesem Gespräch erzählen, woraufhin er als erstes fragte, ob die Schüler fachlich unzufrieden sind oder auf sozialer Ebene. Natürlich nicht auf fachlicher Ebene. "Dann ist's ja gut! Weißte J., die wollen dich nur einlullen, weil sie wissen, dass du auf jeden eingehst. So idealistisch war ich auch mal, das hört bei dir auch auf!" Auf meine Antwort, dass ich es an seiner Stelle schon ernst nehmen würde, wenn Schüler mir erzählen, dass sie sich wie Hunde behandelt fühlen, antwortet er, dass er dann ja in der nächsten Stunde Hundefutter mitbringen könnte. 

Nun ist das für ihn sicherlich auch eine komische Situation, weswegen ich solche Kommentare als Selbstschutz betrachte. Ein Lehrer, der sich von der Referendarin erklären lassen muss, was seine Schüler von ihm denken. Zumal - und jetzt komme ich zu meinem Examensproblem - am Dienstag auch schon die 12er zu mir kamen und mir ähnliches erzählten. Ich unterrichte die ja nur alle zwei Wochen und am Dienstag hatten sie mit Franz alleine. Auf meine Nachfrage, was denn los gewesen sei, meinten sie, er hätte sie eine Strafarbeit schreiben lassen, weil ihm ihr Verhalten in meinem Unterricht letzte Woche nicht gepasst hat.

Nun kann ja jeder Lehrer mit seinen Schülern umgehen, wie er will, was mir egal sein könnte. Wenn ich nicht Angst hätte, dass er ihre Lernbereitschaft bis zum Februar völlig untergraben könnte, indem er alle zwei Wochen zetert und schimpft. Denn schlussendlich läuft's darauf hinaus: entweder die Schüler sind dann so froh, wenn sie bei mir Unterricht haben (was aber nicht dauerhaft funktioniert, wenn sie in der nächsten Woche von ihm eins auf den Deckel bekommen) oder sie nehmen irgendwann eine Nullbockhaltung ein. Dann wird's im Examen aber sehr schwierig. Gerade weil es eben kein Deutsch-LK ist, wo jeder alleine schon wegen des bevorstehenden Abis halbwegs aufmerksam sein muss, sondern ein Nebenfach, in dem grad mal zwei Schüler geprüft werden. Die anderen 18 Schüler müssen aber nur durchhalten und keine 5 bekommen, mehr nicht.

Hinzu kommt mein Wissen aus der Erfahrung, dass eine Stundenvorbereitung für eine Lehrprobe (oder dann für's Examen) mit Franz ziemlich anstrengend ist, weil er so pingelig ist, dabei aber auch so furchtbar zerstreut und verpeilt. Zugegeben, fachlich ist er ja nicht blöd, aber authentischer Unterricht ist es dann für mich auch eher selten. Hier weiß ich gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Wir verstehen unter Philosophieunterricht eben immer noch etwas ganz anderes. Wo ich der Meinung bin, dass Schüler auch mal selbst philosophien sollen, hält er sich konsequent an die Textanalyse, über den kann dann gerne im Anschluss diskutiert werden. Bspw. war er mit dem Gerichtsprozess "Gibt es Sie, Mr. Johns?" nicht wirklich zufrieden, weil es kein philosophischer Text ist. Dass dieser Text aber zum Selbst-Philosophieren anregt, will oder kann er einfach nicht verstehen. 

Zusammengefasst gibt es also zwei Probleme: die drohende Demotivation der Schüler mit Blick auf den Philosophieunterricht und die drohende Auseinandersetzung bei der Stundenplanung.

Positiv an den 12ern im Examen ist aber eben auch seine Pingeligkeit und sein Fachwissen sowie - und das ist fast wichtiger - es ist einfach beeindruckender einen 12er_krus zu zeigen, der kurz vorm Abi steht.

Die Alternative wäre mein 10er-Kurs. Und die alleinige Planung fürs Examen. Allerdings hat das in Geschichte ja auch ganz gut funktioniert...

Nur, wie sag ich Franz das? Wäre das wirklich die richtige Entscheidung oder soll ich doch in den sauren Apfel beißen? Immerhin droht auch die Gefahr, dass mein 10er-Kurs in einer Prüfungssituation nicht funktioniert. Ich hatte da ja keine Lehrprobe und kann das schlecht abschätzen.

Vorläufiger Lösungsweg: Ich habe gerade meinem Fachseminarleiter angeschrieben, der ja auch mit ins Examen geht, und gefragt, ob er sich mal mit mir zusammensetzt und sich das Für und Wider anhört. Ich befürchte zwar, dass er sagt, ich muss mich so entscheiden, wie ich mich wohler fühle, aber dann muss ich ihn eben bequatschen, dass er mir eine handfestere Antwort gibt. Tendiere ich dann allerdings zu einem Kurswechsel, würde zwangsweise noch eine Art Lehrprobe folgen, um zu sehen, wie die 10 dabei funktioniert und ob die "tauglich" sind.

Diese Gedanken machen mich grad ein bisschen irre. Da hat man scheinbar schon seit Monaten alles fest im Kopf, gerät es plötzlich ins Wanken. Aber will ich mir ernsthaft von einem Lehrer helfen lassen, der nicht nur unter dem Philosophieunterricht an sich etwas ganz anderes versteht als ich, sondern auch noch sozial so inkompetent ist?!

Mittwoch, 21. November 2012

11/11 - Das Beste zum Schluss


Soooo, da sim ma wieder :-) Die elfte und letzte Lehrprobe ist geschafft. Und wie man dem Video evtl. (natürlich nur mit viel Interpretationsgeschick) entnehmen kann, lief die auch gar nicht mal so schlecht. Um's kurz zu machen (von wegen): ich bin so stolz auf meine Klasse!

Hier muss man vorausschicken, dass ich am Montag einen Anruf von einer mir bis dato unbekannten Lehrerin erhielt, die mir mitteilte, dass die 7. Jahrgangsstufe am Mittwoch den ganzen Tag mündliche Englischprüfungen haben. Es wäre ja vielleicht ganz interessant für mich, das zu wissen, da ich Mittwochs bei denen Unterricht habe. Als ich erwähnte, dass ich nicht nur Unterricht, sondern auch eine Lehrprobe an diesem Tag habe, war's erst mal nen kurzen Moment ruhig am Telefon. Das Ende vom Lied: man setzt die mündlichen Prüfungen für diese 45 Minuten aus, aber in der ersten Stunde und auch direkt danach finden die Prüfungen statt. Yeah, dachte ich, da ist die Klasse bestimmt total konzentriert und aufmerksam...

Die Überraschung: sie waren's wirklich! Am Ende hat's sogar ein bisschen geholfen, weil ich so in den zwei Gruppenarbeitsphasen der Stunde immer sofort gemerkt habe, wenn sie mit der Aufgabe fertig waren und untereinander englisch sprachen :-) Lustig war's, als der Direktor in einer der Phasen rumging und den Schülern über die Schulter schaute und einer Gruppe zuflüsterte: "Seid ihr immer so ruhig?" Da ich fast danebenstand, habe ich das Antworten übernommen und ein beherztes "Aber natürlich!" eingeworfen, woraufhin selbst er lachen musste. Auch interessant, eine Äußerung einer Schülerin, die meinte, als ich bei ihrer Gruppe nach dem Rechten fragte, dass sie heute doch wirklich sehr fleißig wären, "nicht so wie beim letzten Mal". Da ich davon ausgegangen bin, dass die beim letzten Mal so unruhig waren, weil meine Stunde so schlecht geplant war und die einfach nicht wussten, was sie machen sollen, erwiderte ich "Ja, das lag beim letzten Mal aber auch an mir." Sie schlägt daraufhin die Augen nieder und schüttelt stumm mit dem Kopf. Nu fänd ich's ja schon ganz interessant, was dann das Problem war. Aber ich fand's lieb, dass sie so ehrlich war. 

Nun findet die Nachbesprechung mit meinem Fachseminarleiter zwar erst nächsten Montag statt, aber für einen kurzen Plausch hatte er dann doch noch Zeit. Und diesem konnte ich eben auch entnehmen, dass er's gut fand. Er kam nämlich mit den Worten zum Lehrerpult, als ich grad meine Tasche packte, "Frau W., ich bin froh, das gesehen zu haben!". Auf meine Nachfrage, ob das gut wäre, bejahte er es vehement. Alles was in der letzten Stunde falsch lief, hätte ich heute richtig gemacht und wenn ich so ins Examen ginge, würde er sich überhaupt keine Sorgen machen. Auch unsere Ausbildungskoordinatoren war dabei und fand die Stunde super: "Auch in dieser Stunde hat mich, genau wie das letzte Mal in Philosophie, das hohe Niveau des Unterrichts und der Schüler sehr überrascht!" Ich solle auch nicht alles auf die Schüler schieben, es läge nicht nur daran, dass die so lieb und folgsam seien. Nur hätte sie dieses Mal gemerkt, dass ich bei Nervosität dazu neige unsauber zu sprechen. Und nu fand sie's gar nicht witzig, als ich von der Mannschaft des Kolumbus sprach und das Wort "Schifffahrtskollegen" benutzte. Eben weil mir Matrosen nicht einfiel. Das wiederum finde ich nun weniger tragisch. Aber ich müsse doch ein Vorbild sein, sonst schreiben die Schüler das auch in Arbeiten. Nun ja...

Mit dem Direktor hatte ich direkt im Anschluss Nachbesprechung und natürlich hatte auch er etwas zu meckern. Aber es war das erste Mal, dass die Aufzählung der positiven Dinge fast ein bisschen länger dauerte, als die negative Auflistung. Schlussendlich war's auch nur ein Kritikpunkt, den er loswerden wollte und in diesem Punkt gebe ich ihm auch recht. Hab ich einfach was vergessen. Passiert. Er findet das generell auch nicht tragisch, aber im Examen würde wegen so etwas die Grenze zwischen sehr guter und "nur" guter Stunde gezogen werden. Wenn das im Examen aber mein einziges Problem ist, kann ich damit leben. 

Nun wartet zwar noch ne halbe Flasche Sekt auf mich, aber leider wird die Feierstimmung ein bisschen getrübt, weil ich noch zwei Stunden für morgen planen muss. So was doofes aber auch! Aber gut, gibt Schlimmeres! Vor allem, weil ich in meinem EF-Kurs morgen mit einem Witz einsteige: "Warum ist der Elefant groß, grau und faltig?" "Weil er, wenn er klein, weiß und rund wäre, eine Aspirin wäre." Nun überlegt mal, was das mit Philo zu tun hat ;-)

Sonntag, 18. November 2012

kurzer Zwischenstand

1. Ich hasse Lehrproben-Vorbereitungen! Bilanz des Wochenendes: drei Stundenvarianten zu ein und demselben Thema und immer noch nicht ganz fertig,

2. Alexandria hat leider abgesagt, weil die Stelle für eine verbeamtete Lehrerin ausgeschrieben wird :-(,

3. Der Crashkurs am Freitag war nicht so aufregend, wie ich dachte (und wie er angekündigt wurde),

4. dafür hat sich eine Schülerin als kleine Angelina Jolie geoutet: sie möchte später Kinder adoptieren. Auf meine Nachfrage, warum sie keine eigenen haben möchte (und einem kurzen Moment der Angst, dass sie schon in jungen Jahren wissen könnte, dass sie keine bekommen kann), die Antwort, sie wolle aber so gerne ein schwarzes und chinesisches Baby... (wohlgemerkt hat das bei ihr wirklich nicht mit Hilfe für Entwicklungsländer zu tun, sondern alleine den Grund, dass sie so süß wären),

5. Der Termin für das Auswahlverfahren des Deutschen Auslandsschuldienstes ist jetzt amtlich und am 19.12. - bin ich gespannt!

6. Ich mache drei Kreuze, wenn der Mittwoch rum ist und ich mich voll und ganz auf das Erste-Advent-WE freuen kann :-)

Donnerstag, 15. November 2012

Es gibt noch Hoffnung!


Ums kurz vorweg zu schicken. Falls ich hier irgendwie was doppelt erwähne, liegt das daran, dass mich langsam diese typische Schusseligkeit der Lehrer überkommt - was fand ich die als Schülerin nervend! Aber ich hoffe, dass es sich bisher auf die Geschehnisse außerhalb des Unterrichts beschränkt...

Jedenfalls ist es mit meiner 5. in Praktische Philosophie ja nicht so einfach, wie ich mir das zu Beginn vorgestellt habe. Da werden Wortbedeutungen nachgefragt, auf die ich nie gekommen wäre und so natürlich auch keine Probleme erkannt, über die man sprechen muss. Die Alternative ist dann ein Unterricht, den ich nie machen wollte: Arbeitsblätter zum Thema "Meine Stärken - Meine Schwächen" *gähn* Ich bin doch keine Lebensberaterin! Bisher habe ich beide Wege ausprobiert, den philosophisch angehauchten und eben diesen langweiligen. Nur, wie kann ich Schüler von Praktischer Philosophie überzeugen, wenn ich darüber rede, dass man andere Schüler nicht beleidigen darf. Wir sind doch nicht mehr im Kindergarten, mit Philosophie hat's auch eher nix zu tun. Egal. Nun habe ich heute einen erneuten Versuch gewagt, die Kinder für ein philosophisches Problem zu begeistern. Kurz als Erklärung: wir müssen verschiedene Fragekreise behandeln, z.B. Mein Leben und ich. Die langweilige Schulbuchvariante schlägt dann eben solche Arbeitsblätter vor, wie oben genannt. Ich habe jedoch ein Märchen gefunden, in dem Prinzessin Jaja von einer bösen Hexe verflucht wird, ohne Mann zu bleiben, bis sie die sinnloseste Frage findet und die dann auch noch beantworten kann. Diese Frage findet sie dann auch, kann sie aber nicht lösen: Wie kann Prinzessin Jaja beweisen, dass sie existiert? Nun sollten die Schüler ihr helfen, diese Frage zu lösen. Und tatsächlich kamen sie auf die - kindgerechten - Antworten: sie fühlt und sie hat Sinne. Beides muss man doch haben, wenn man exisitiert. Fehlt nur noch, dass sie denken kann. Aber dass sie darauf nicht gekommen sind, sei ihnen verziehen. Mitten in der Phase der Spekulationen und Diskussionen, die die Schüler in Gruppen führen durften, kommt eine Schülerin zu mir: "Frau W., ich habe mit meinem Papa mal eine Dokumentation gesehen, da hat Stephen Hawking - den kennen Sie doch auch, oder? - gesagt, dass es sein kann, dass wir alle nur Gehirne in Gläsern wären." Ich bin fast umgefallen! Denn diese "Gehirn im Tank"-Theorie habe ich vor drei Wochen noch mit meinen 10.Klässlern besprochen! Dass eine Fünftklässlerin solche Dokus schaut und sich das auch noch merkt, fand ich großartig! Nun haben die umsitzenden Schüler natürlich aufgehorcht und wollten wissen, was es mit dieser Geschichte auf sich hat. Hab ich sie ihnen in Kurzform erzählt, was totale Verwirrung, Erstaunen und noch viel mehr Fragen aufgeworfen hat. Aber genau das ist in Philosophie ja ein total guter Weg! Ich habe sie dann vertröstet, dass wir dieses Problem nach dem Märchen gerne besprechen können. Schlussendlich sind sie aber heute alle völlig durch den Wind aus dem Unterricht gegangen und ich freu mich wie verrückt, weil ich wetten könnte, dass das bei einigen heute Abend am Esstisch Thema sein wird. Wie die Eltern wohl auf sowas reagieren?

Und wen es interessiert, das Märchen bietet die Ausgangslage für zwei Themen: was macht den Mensch zum Menschen oder aber - um beim Gehirn im Tank zu bleiben - wie wirklich ist die Wirklichkeit? Bin ich mal gespannt, für welches der beiden Themen sich die Kids entscheiden, wenn sie wählen dürfen.